Dienstag, 26. Juni 2012

Zurück vom Vorbereitungsseminar


Guten Abend,
mit dem Gefühl gut gerüstet zu sein bin ich vom Vorbereitungsseminar zurückgekehrt. Ich habe den Eindruck in diesen zehn Tagen so unglaublich Wichtiges gelernt zu haben, was ich nächstes Jahr anwenden werden kann.
Ich möchte euch von meinen ereignisreichen Tagen erzählen.
Schon die Fahrt nach Wickstadt, welches den Namen „Stadt“ keineswegs verdient hat, sondern aus einer Dorfkapelle und geschätzten zwei Bauernhöfe besteht, war sehr chaotisch gewesen. Ich habe meine drei Gefährtinnen, denen ich versprochen hatte sie mitzunehmen, nicht nur erst eine halbe Stunde im Regen am Flörsheimer Bahnhof warten lassen, wir haben uns auch mehrfach verfahren, sodass wir uns in den letzten Kilometer auf einem holprigen Fahrradweg neben einem idyllischen Bach wiedergefunden haben.
Angekommen wurden wir von drei alternativ gekleideten Männern um die 30, einer nett aussehenden schon etwas älteren Dame und einem Kerl, den man mit einem Teilnehmer hätte verwechseln können, zusammen mit etwa 25 anderen Teilnehmern mitten im Nichts in einer Jüte begrüßt.
Bei der Vorstellungsrunde stellte sich heraus, dass zwei der Hippies unsere Köche waren und wir die nächsten zehn Tage vegetarisch mit regional und saisonal wachsenden Pflanzen bekocht werden. Daraufhin spielten wir den ganzen restlichen Nachmittag Kennlernspiele. So kam es, dass ich am Abend schon die Namen aller anwesenden Leute konnte. Nach dem Essen - was übrigens durchgehend gewöhnungsbedürftig und des Öfteren unansehnlich aber dennoch fast immer lecker war – ging es thematisch auch schon los indem wir über die Haltewahrscheinlichkeit von Fernbeziehungen diskutierten, die auf einige Teilnehmer zukommen werden.
Am Tag darauf wurde uns von den Teamern gebeichtet, dass sie kein Programm hätten und so sammelten wir den ganzen Tag Themen, die uns auf dem Herzen lagen und erstellten einen Zeitplan für das restliche Seminar, in dem dann doch einige Programmpunkte vorgegeben wurden. Der Plan war so zugepackt mit Themen und Fragen, dass einem schnell klar wurde, dass diese langen zehn Tage, doch eigentlich viel zu kurz sein werden. Dieser Eindruck sollte sich auch bestätigen.
Am nächsten Tag haben wir unser eigenes Leben reflektiert nach dem Motto: Nur wer seine Vergangenheit kennt, kann die Zukunft gestalten. Seine tiefsten Geheimnisse und Schwächen vor noch sehr fremden Leuten auszubreiten war eine ganz besondere Erfahrung, die einem Aufschluss über sich selbst gab, der eigenen Seele gut tat und die ohnehin unglaublich schöne Gemeinschaft enger zusammengeschweißt hat.
An den darauffolgenden Tagen haben wir über das Abschiednehmen, Kontakt zur Heimat halten, und unseren Status als Freiwilliger gesprochen. Der Komplex „interkulturelle Kommunikation“ wurde uns anhand unserer eigenen Vorurteile näher gebracht, eine Obdachlsosen- und AIDS-Einrichtung wurden von mir besucht und das Thema „Armut“ behandelt. Zuletzt hat sich jeder noch einmal mit seinem eigenen Projekt auseinandergesetzt.
Das besondere war, dass die Themenblöcke uns nie lehrhaft beigebracht wurden, sondern stets mit provokativen Fragen und Aussagen, die zum Nachdenken anregten. Dies gab mir das Gefühl unheimlich viel zu lernen und zu verstehen, weil die Leistung vom eigenen Gehirn erbracht werden musste.
Doch nicht nur diese Themenblöcke taten mir gut, auch das viele Reden, Austauschen und Spielen mit den anderen am Lagerfeuer war eine riesige Erfahrung. Mit so vielen Menschen zu reden, die die gleiche Entscheidung getroffen haben, die die gleichen Sorgen plagen und auf die das gleiche wartet – das kannte ich noch nicht. Auch die Freizeit kam nicht zu kurz, es wurde gespielt, getanzt, gefeiert, Sport gemacht und was mich ganz besonders freute: es wurde zusammen Fussball-EM geschaut. Das Gruppengefühl war phänomenal und das merkte man in allen Situationen.
Auch wenn das Wetter sehr wechselhaft war, so bleiben mir diese Tage, die Teamer, deren Worte, Ratschläge und die neugewonnenen Freunde in Erinnerung.
Ich fühle mich nun bereit für meinen Dienst und warte mit scharrenden Hufen darauf, dass es nun endlich los geht

Martin

2 Kommentare:

  1. Christian Diehl17. Juli 2012 um 20:34

    Lieber Martin,

    dein Blog sieht gut aus - Glückwunsch! Ich werde ihn weiter verfolgen.

    Für deine Zeit in Sambia wünsche ich dir auf diesem Wege schon einmal alles Gute, einen schönen, aufregenden, erfahrungsreichen Aufenthalt und Gottes Segen.

    Mach´s gut mein lieber und passe gut auf dich auf!

    Chris :o)

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  2. Hallo Martin,

    nur damit du hier nicht im falschen Licht präsentiert wirst:
    Du warst nicht zu spät, wir waren 25 Minuten zu früh!!

    Wir vermissen die Seminarzeit voll, wegen deinem tollen Artikel sind wir jetzt voll sentimental!

    Grüße von zwei deiner drei Gefährtinnen, die Fahrt war der Hammer!

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