Am 12. Dezember machte ich mich auf den Weg in die Hauptstadt Lusaka. Es war wie ein Abtauchen in eine andere Welt. Ein Vorbote fuer das, was noch kommen mochte. Die Menschen, die Sprache, die Haeuser, alles war anders. Ich hatte das Gefuehl von Afrika in eine dreckige suedeuropaeische Metropole zu kommen. Ich war ploetzlich im schicksten Einkaufszentrum der Stadt in einem der modernsten Kinos. EIgentlich unvereinbar mit dem Bild, was ich bisher vom sambischen Leben mitbekommen habe. Und als ich ausm Kino herauskam, hatte ich allen Ernstes das Gefuehl gerade aus dem Kinopolis zu kommen und jetzt nach hause in die Duererstrasse 7 gehen zu muessen. Ganz schoen verwirrend.
Mein darauffolgender Ausflug an den Karibasee ziemlich actionreich. Oder besser gesagt die Fahrt dorthin. Den von mir schon so viel beschriebenen Minibus nehmend, hatte ich das Gefuehl eine Achterbahnfahrt gekauft zu haben. Die schoenste Motorradstrecke, mit endlosen Kurven und Huegeln beanspruchte dieser Bus mit der vollen Breite der Strasse. In den Kurven ist er auf der Gegenspur gefahren. Ging es in der Kurve bergauf, wurde lediglich kurz gehupt um dem moeglichen entgegenkommenden Auto eine Warnung zu geben. Fuer mich war das stets das Zeichen die Augen zu schliessen und zu hoffen, dass keiner kommen moege. Nass geschwitzt bin ich am See angekommen, doch dort wurde ich fuer meinen Mut belohnt. Ich hatte zwei sehr entspannte Tage mit wunderbaren Ausblick und besuchte den ehemals fuer lange Zeit geltenden groessten Staudamm der Welt. Dieser wurde noch in der Kolonialzeit gebaut und schuf den Karibastausee, der dreimal so gross wie der Bodensee wurde, einfach aus dem Nichts.
Mit dem Bus bin ich dann als naechstes zu einem der sieben Weltwunder, den Viktoriafaellen gefahren. Eine Reise and die nach den Niagarafaellen zweitgroessten Wasserfaellen Afrikas, kann ich nur unbedingt weiterempfehlen. Nicht nur die Wassermassen, die sich kilometerbreit den Abhang hinunterstuerzen und einen donnernden Rauch verursachen sind so beeindruckend. Es gibt auch ein sehr breites Angebot von Aktivitaeten, sodass einem wirklich nicht langweilig werden kann. Von Touren ueber und unter den Wasserfaellen, zu Bootsafaris, Bungiespruengen und Water Rafting habe ich diese Angebote auch moeglichst voll ausgenutzt.
Der sambische Abschnitt der Faelle. Dort drueben wo der Rauch zu sehen ist, sind die Haupfaelle auf simbabwischem Staatsgebiet.
Ganz schoen knapp war`s. Beinahe waere ich die 120 Meter nach unten gestuerzt.
Mein Weihnachten dagegen war eher von Heimweh gepraegt. Weihnachtsstimmung wollte mir bei einfach nicht aufkommen. Mit 3 anderen Freiwilligen war ich zwar abends gut essen gewesen, ich bin aber auch recht frueh ins Bett gegangen, weil am 25. der Zug nach Tansania gefahren ist. Diese dreitaegige Zugfahrt war besser zu ertragen als ich es mir vorgestellt hatte. Mit eigenem kleinen Bettchen und vielen Kartenspielen im Speisewagon ging die Zeit schnell vorrueber. Ausserdem gab es die Moeglichkeit beim aus dem Fenster schauen die sich zunehmens veraendernde Landschaft zu begutachten. Den wildernen Busch und den Maisfeldern in Sambia ersetzten nun zahllose Zuckerrohr-, Bambus-, Bananen- und Kokosnussfeldern. Die Doerfer neben den Feldern blieben groesstenteils gleich, nur meinte ich den arabischen Einfluss anhand der steinernden Haeuser und den dafuer benutzten Saeulen zu erkennen. Auch die Waren, die die Marktfrauen durch die Zugfenster an Haltestellen verkauften, veraenderten sich. Es kamen immer mehr Fruechte und Nuesse dazu, ploetlich wurde mir das Fleisch am Spiess angedreht und die Backwaren sahen anders aus. Das auffallenste aber war, dass die Frauen anfingen nur noch im Kopfteuchern verschleiert herumzulaufen. Die Maenner trugen ihre Gebetsmuetzen und es wird kein Englisch mehr verstanden. Alle sprechen nur noch Swahili.
Meine erste freie Elefantenfamilie
In der Millionenstadt Dar-es-Salaam angekommen, machte ich mich sofort mit der Faehre rueber auf die Trauminsel Sansibar im indischen Ozean. Diese besticht mit einer richtigen steinernden Altstadt als Zentrum. Die erste dieser Art, die ich in Afrika bisher gesehen habe. In den verwinkelten Gassen, umrahmt von vierstoeckigen heruntergekommenen Altbauten habe ich mich gleich hundert Jahre zurueckversetzt gefuehlt. Nachdem ich auf einer Beachpartz erfolgreich ins neue Jahr gestartet bin und im Inselinneren dort war, wo der der Pfeffer waechst, habe ich mich auf die Suche nach dem schoensten Strand der Insel gemacht. So bin ich die letzten anderthalb Wochen vom einen zum anderen Strand geklappert und bin so immer weiter im Sand versunken. Es herrscht eine unglaubliche Hitze auf Sansibar. Und diese Hitze macht faul. Extrem faul. Die mit Abstand haeufigst gesagten Woerter hier sind: "Hakuna Matata". Sprich, "Mach dir keine Sorgen, Relax." Und das habe ich getan.
Nur einer der vielen Straende auf Sansibar
Und hier ein Sonnenuntergang
Jetzt bin ich wieder am Anfang meines Berichts angelangt. Ich habe mich fuers erste satt gesehen und freue mich auf den Austausch mit den anderen Freiwilligen, was mir hoffentlich viel fuer die in gut zwei Wochen anfangende Arbeit bringt.
Habt ihr auch einen guten Start ins neue Jahr gehabt? Ich habe gehoert es waren ja aehnliche tropische Temperaturen gewesen wie bei mir, da werde ich bestimmt nicht der einzige gewesen sein, der mit Badehose aufs neue Jahr angestossen hat.
Also, in dem Sinne: Prost Neues!
Liebe Gruesse
Martin
Hallo Martin,
AntwortenLöschenes freut mich, dass du so viele schöne unterschiedliche Erlebnisse in Afrika hast. Nach dem Lesen deines Berichtes, bekommt man richtige Sehnsucht nach Sonne und Meer. Bei uns liegt nämlich zurzeit Schnee und es richtig kalt.
Liebe Grüße aus Flörsheim
Elisabeth