Ich glaube ich sollte Euch mal wirklich wieder
ein Update ueber meine persoenliche Situation hier in Ndola geben. Denn nicht
nur meine Familie, auch die Arbeit hat sich in gewisser Weise veraendert.
Letzten Dienstag bin ich umgezogen. Nicht wirklich weit weg, aber ich wohne jetzt mit einer anderen Gastfamilie zusammen. Die Lage vom neuen Haus ist echt super. Ganz nah an der Innenstadt und auch naeher an meiner Schule dran. Trotzdem war das Abschiednehmen von meinen alten Gasteltern nicht sehr einfach. Nach sechs Monaten haben wir uns doch sehr an einander gewoehnt und eine enge Beziehnung aufgebaut. Was ein Glueck, dass ich ja nicht aus der Welt bin und sie am Wochenende immer wieder besuchen kann.
Letzten Dienstag bin ich umgezogen. Nicht wirklich weit weg, aber ich wohne jetzt mit einer anderen Gastfamilie zusammen. Die Lage vom neuen Haus ist echt super. Ganz nah an der Innenstadt und auch naeher an meiner Schule dran. Trotzdem war das Abschiednehmen von meinen alten Gasteltern nicht sehr einfach. Nach sechs Monaten haben wir uns doch sehr an einander gewoehnt und eine enge Beziehnung aufgebaut. Was ein Glueck, dass ich ja nicht aus der Welt bin und sie am Wochenende immer wieder besuchen kann.
Mein neues Zuhause
Und diese Wohnungen werden gerade von meiner neuen Familie hochgezogen. Dazu gibts noch ne ganz interessante Geschichte. Es geht um Diebstahl und Gefaengnis. Da ich den Ausgang davon aber noch nicht weiss, erzaehle ich lieber mal noch nichts.
Die neue Familie besteht aus vier Personen: Die Mutter, zwei Soehne um die 25 und einem Cousin, der gerade auf die Ergebnisse seines sambischen Abiturs wartet. Der Vater ist schon vor einer Weile gestorben. Das Haus ist ganz schoen, mein Zimmer sieht ungefaehr genauso aus wie das Alte. Das beste an diesem Haus ist aber, dass morgens aus dem Wasserhahn heisses Wasser rauskommt. Das heisst fuer mich ich brauche nicht mehr so frueh aufstehen um Wasser zum Waschen zu kochen. Dass es hier immer genug Obst und Gemuese zum Zwischendurch essen gibt, kommt mir auch sehr entgegen.
Um euch mal die Familienmitglieder einzelnd vorzustellen:
Die Mutter arbeitet in einer Firma, die fuer den Oeltransport von Tanzania nach Sambia verantwortlich ist. Was sie aber besonders auszeichnet ist ihre Naehe zu Gott. Als Domsekretaerin besucht sie momentan jeden Tag zweimal den Gottesdienst. Sie seht vor mir auf, geht in die Kirche, dann zur Arbeit, von dort aus wieder in die Kirche und um halb acht abends kommt sie dann wieder heim. Ja, ich denke das beschreibt ihr Tagesablauf recht gut. Auch das Wochenende ist sehr von der Kirche bestimmt. Sie ist naemlich gerade dabei dem Franziskaner Orden beizutreten. Zwar nicht als Schwester, aber irgendwie gibt es auch fuer Familienmenschen die Moeglichkeit eine Franziskanerin zu werden. Diese Ausbildung dauert 3 Jahre, naechstes Jahr hat sie es geschafft.
Am Freitagabend als ich mich gerade auf den Weg zu Freunden machen wollte, hiess es dann ploetzlich: „Familienbibelunterricht“. Diesen gibt es wohl jeden Freitag um diese Uhrzeit. Wir beteten recht lange im Knien, lasen in der Bibel, besprachen und interpretierten die gegebene Bibelstelle und knieten dann wieder um zu Beten. Ungefaher 90 Minuten ging das Spektakel. So als Neuankoemmling erschien es mir etwas gewohnungsbeduerftig. Aber ich konnte spueren, wie wichtig der Mutter die Praesenz aller Familienmitglieder ist.
Der aeltere Bruder studiert von zuhause aus. Er hat vor die Pruefungen fuer eine britische Uni mitzuschreiben. Von daher ist er sehr viel zuhause. Er ist Vorsitzender von der Jugendgruppe der kleinen christlichen Gemeinde. Das macht es fuer mich sehr sehr einfach Kontakt mit den andren Jugendlichen aufzubauen. Jeden Sonntag treffen sie sich vor meiner Haustuer.
Der andere Bruder wartet darauf, dass sein Arbeitsvertrag im August anfaengt. Solange arbeitet er auch zuhause. Er ist naemlich Elektriker und die Familie baut gerade zwei weitere Haeuser auf ihrem Grundstueck, die vermietet werden sollen.
Der Cousin schmeisst den Haushalt und kocht leckeres Essen.
Zu mir sind sie sehr gastfreundlich und gehen sicher, dass ich auch bloss nicht zu viel im Haushalt helfe. Im Generellen hab ich das Gefuehl, dass die Mutter als einzige die Einkommen hat, ihre erwachsenen Soehne noch sehr unter ihren Fittischen hat.
Das Programm sieht vor, dass ich die naechsten knappen drei Monaten hier bleibe. Meine Anfrage ins Armenviertel meiner Schule zu ziehen wurde letzendlich doch abgelehnt. Die Verantwortlich vor Ort sehen ein zu grosses Risiko darin, dass ich abends ueberfallen werden koennte. Es hatte wohl schonmal einen aehnlichen Zwischenfall mit einem weissen Priester gegeben. Naja, ich muss es halt akzeptieren. Zumindest haben sie mir versprochen, dass ich in naher Zukunft fuer zwei Wochen ins Armenviertel ziehen kann. Wenn die Leute verstehen, dass ich dort wohne, soll ich aber auch schon wieder ausziehen.
Mir geht es bei dieser ganzen Sache einfach darum, das Leben meiner Schueler zu erleben. Ich wuerde gerne besser verstehen, warum sie manchmal so sind, wie sie eben sind. Und ich denke, dass geht halt am besten vor Ort. Die Leute in der Stadt sind nunmal doch irgendwie anders und auf einer gewissen Art aehnlicher wie ich.
Da ich wie immer ein sehr beschaeftigter
Mensch bin, der wenig Zeit hat, schreibe ich euch dann in meinem naechsten Bericht
darueber, was sich in meiner Schule alles veraendert hat.
Viele Gruesse
Martin
Martin
Hallo Martin,
AntwortenLöschenmir fällt bei deinen Berichten immer wieder auf, dass in Sambia alle Jungs kräftig im Haushalt mitarbeiten müssen und gut kochen können. Die Frauen sind alle berufstätig oder arbeiten kräftig auf den Feldern mit. Gibt es in Sambia ein traditionelles Rollenbild das mit unserem traditionellen Rollenbild vergleichbar ist? Wie ist überhaupt die Rolle von Mann und Frau in Sambia? Mir scheint, dass die Mutter eine große Respektsperson ist und zumindest innerhalb der Familie viel zu sagen hat. Mit einer guten Bildung scheint man als Frau auch Chancen auf gute Arbeitsplätze zu haben. Oder ist das eine falsche Wahrnehmung aus der Ferne?