Sonntag, 9. September 2012

Ende der Orientierungsphase

Hallo an alle!
Ich hoffe es geht euch gut?

Bevor ich anfange von meinen ersten Erfahrungen in der Schule zu berichten, würde ich noch gerne von zwei Programmen der Diözese erzählen, die ich während der Orientierungsphase kennen gelernt habe, um euch einfach einen besseren Überblick über die Bevölkerung zu geben.

Und zwar waren wir in der letzten Woche unterwegs mit der - ich würds mal als AIDS und Kinderabteilung übersetzen. Mit Mitarbeitern dieser waren wir an einem Tag auf dem Weg zu einer Stadt direkt an der kongolesischen Grenze. Die Straße auf dieser anderthalbstündigen Reise war in so katastrophalem Zustand, dass bestimmt schon Menschen vom einfachen Befahren Genickbrüche bekommen haben. Zum Schutz unserer Genicke fuhren wir oft neben der Straße im Gras anstadt auf dem bröckligen Teer. In diesem Ort fand ein Freiwilligentreffen statt, ganz ähnlich wie ich es schonmal beschrieben hatte. Diesmal aber ging es um diese Freiwilligen selbst.Und zwar war es das erste Treffen eines dreitägigen Seminars, in dem die vielen Frauen und zwei Männer Tipps zur Einkommenssteigerung bekommen sollten.

Nach der Vorstellungsrunde wurden wir in Kleingruppen aufgeteilt mit der Aufgabe über die jeweilige momentane finanzielle Situation nachzudenken und seine Probleme aufzuschreiben. Dazu sollten wir eigene Ideen zur Verbesserung der Situation entwickeln und unsere Erwartungen des Seminars erläutern.
Dies alles wurde dann in der Großgruppe zusammengetragen. Fast alle Frauen haben als ihre Finanzquelle ihren Mann angegeben. Darüber hinaus verkaufen sie allesamt eine Kleinigkeit auf dem Markt. Mit Abstand die meisten Obst und Gemüse, wenige andere Backwaren. Dass das Berufsfeld so stark auf die Landwirtschaft beschränkt ist, ist irgendwo schon erschreckend. Viel erschreckender wurde es allerdings noch als es dann zu den Problemen ging. Wirklich jeder Teilnehmer hat die Schulgebühren für die Kinder angegeben. Die Schulgebühren für eine Gemeindeschule beträgt umgerechnet alle drei Monate etwa 4 Euro. Für staatliche Schulen sind es teilweise mehr als 100 Euro. Als ich dran war meine Probleme mit den anderen zu teilen, habe ich erstmal nachdenken müssen, um dann zu sagen, dass ich keine Probleme hätte. Dabei war mir extrem unwohl, aber mir ist einfach kein Problem eingefallen, womit ich die anderen nicht lächerlich gemacht hätte. Wenn es um Hunger und um die Zukunft der Kinder geht, fand ich hätte Heimweh einfach nicht so gepasst.
Andererseits ist es natürlich schön zu sehen welch hohen Stellenwert die Bildung der Kinder in den Augen den Erwachsenen hat.
Die Ideen und Erwartungen waren natürlich Tipps zu bekommen für die Landwirtschaft und den Verkauf. Den Frauen wünsche ich auf jedenfall blühende kleine Geschäfte, dass alle ihre Kinder die Schule besuchen können.

Immer wieder wird zur Auflockerung getanzt oder gespielt.

In einem anderen Seminar haben Teresa und Ich am Ende der vergangenen Woche teilgenommen. Angestellte der Diözese wurden auf Workshops vorbereitet, die sie mit armen Kindern und deren Eltern durchführen werden. Weil wir sehr viele Rollenspiele gespielt haben, denke ich in diesem ultraschicken Hotel einiges für mein Lehrerdasein gelernt zu haben. Mit den anderen recht jungen Teilnehmern haben wir uns super verstanden und so wurden wir dann auch abends zur Abschiedsparty eingeladen. Da wir als Ehrengäste dort waren, wurden nun zum ersten Mal unsere Tanzkünste abgefragt. Es wurde ein schöner Abend.

 
Das Programm legt viel Wert auf spielerisches Lernen für die Kinder. Das kommt mir echt sehr entgegen :)
Da mein Gastvater jetzt schon in den Kongo gezogen ist, und der kleinere Bruder wieder in in der Schule in Kitwe, sucht meine Familie seit kurzen eine kleinere Bleibe. Um Geld zu sparen wurde auch der Haushälter entlassen und so suchen wir nach einer Wohnung für uns drei Verbliebenen. Wir bleiben aber auf jedenfall in Ndola. Das Haus gleicht seit dieser Entscheidung einem Kaufhaus, täglich schneien Leute vorbei, die unseren Herd, die Couch und den Fernseher kaufen, damit wir weniger Zeugs beim Umzug schleppen müssen. Mein Bett wird zum Glück noch nicht verkauft, ich kann also weiterhin beruhigt einschlafen.
Es gibt noch jede Menge zu erzählen, die Schule hat ja schon angefangen, aber komischer Weise hänge ich mit dem Schreiben im moment etwas nach, da sich die Wochenenden jetzt doch langsam mehr und mehr füllen.

Ich habe noch was nur so zwichendurch ohne Zusammenhang:
Mein Bruder hat sich gestern ziehmlich drüber lustig gemacht, dass Forscher behaupten der Mensch stamme vom Affen ab. Die wären wohl irgendwo kaputt im Kopf sowas zu sagen. Gott habe den Menschen als sein Abbild geschaffen und Gott sei ja bestimmt kein Affe. Er meinte die Forscher, die sowas behaupten würden wahrscheinlich nichtmal die neunte Klasse bestehen. Ich fand das ganz lustig, vielleicht lacht ja jemand mit mir.

Viele Grüße
Euer Martin

2 Kommentare:

  1. ist echt richtig interessant die ganzen sachen so von dir im blog serviert zu bekommen und dir scheints auch wieder ganz gut zu gehen nach der malaria erkrankung... ich wünsch dir alles gute und weiter so :D

    phil

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  2. Hört sich ja mal super interessant an ;)

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