Sonntag, 2. September 2012

Die erste Malaria

Hallo ihr Lieben!
Der Grund für meine Abwesenheit im Blog hat einen Namen: Malaria.
Nachdem ich unter der Woche mit aushaltbaren Kopf- und Magenschmerzen zu kämpfen hatte, ging es dann recht plötzlich in der Nacht Berg ab mit mir. Es kamen Fieber, Gliederschmerzen, Übelkeit und Durchfall hinzu, am nächsten Morgen für mich meine Gastmutter dann ins Krankenhaus. Die haben mich dann gleich dortbehalten. Sorgen müssen sich aber keine gemacht werden. Denn nach mehreren Spritzen in die Arme und in den Allerwertesten ging es mir bald aber auch schon besser. Ich war alleiniger Patient in einem Doppelzimmer eines privaten Krankenhauses. Ich habe mich sicher dort aufgehoben gefühlt, denn die Hygienestandarts waren echt europäisch. Auch von Seiten der Diözese, Teresas und meiner Gastfamilie wurde sich liebevoll um mich gekümmert. Dreimal täglich haben sie vorbeigeschaut!
Mit einem großen Lunchpaket voll Medikamente wurde ich gestern dann entlassen und kann am Montag nun Gesund mit meiner Arbeit in der Schule beginnen.
Um meine Versäumnisse aufzuarbeiten schreibe ich euch nun den Bericht der letzten Woche:

Na, wer kann die Giraffen von den Bäumen unterscheiden?
 

Eine eher ruhige Woche liegt nun hinter mir. Da Patrick dank einer Malaria (jaja Nachmacher, ich weiß) flach liegt, sind eins, zwei Programmpunkte ausgefallen. Laut seiner SMS, die er mir eben geschrieben hat, geht es ihm aber Gott sei Dank wieder besser. Die freie Zeit konnte ich nutzten, um mich in die Schulbücher der sechsten Klasse schon mal einzulesen, die ich am Montag bekommen hatte. Zuvor wurde ich schon vom Schulleiter eingewiesen wie ich die Schulstunden, Wochen- und Trimesterpläne zu dokumentieren habe. Das ist ganz schon viel Schreibarbeit kann ich euch sagen. Es gibt feste 1-2 seitige Muster, wie ein solcher Plan auszusehen hat. Da die Schule aber weder ein Computer, noch ein Kopierer besitzt, muss dieses Muster für jede einzelne Schulstunde neu abgeschrieben werden.
In Zukunft werde ich aber wohl genügend Zeit haben auf diese Weise nachmittags meinen Unterricht vorzubereiten. Die Schule startet nämlich für mich tatsächlich um sieben Uhr, dafür dürfen die 60 Schüler der sechsten Klasse und somit auch ich, schon um halb eins nach hause gehen.
Der zu unterrichtende Stoff hält sich finde ich vom Schwierigkeitsgrad echt in Grenzen. Die größten Aufgaben, die es zu bewältigen gibt wird wohl die Sprache und ebenso das pünktliche Erscheinen meinerseits sein.
Die Sprache deswegen, weil die Schüler aus Familien kommen, in denen zuhause kein Englisch gesprochen wird. Dazu wird, laut dem Herrn Schulleiter, mein Akzent eine weitere Herausforderung darstellen.
Die Pünktlichkeit ist aus anderen Gründen ein Problem. Bei meinen bisherigen drei-vier Besuchen der Schule war ich jeweils wegen den Bussen zu spät dran.
In Ndola gibt es nämlich keine Busse, die sich an Fahr und Zeitpläne halten, wie wir es in Deutschland gewohnt sind. Nein, hier stellt man sich einfach an eine Bushaltestelle an der Hauptstraße in der Hoffnung, dass irgendwann ein Bus erscheinen wird. Und tatsächlich, selten muss man eine Minute warten, dann kommt ein hupender Bus angerauscht, aus dem ein Mann rausschreien wird, ob man denn mitfahren will. Danach also steigt man in den etwa Opel-Vivaro-großen Bus, aus dem laute Musik dröhnt. Es werden wahrscheinlich schon etwa 15 Leute drinnen sitzen, aber einen Platz in irgendwelchen Ritzen findet man eigentlich immer. Mitten in der Fahrt gibt man dann dem aus dem Fenster schreienden Mann das Geld. Soweit macht das ganze auch echt Spaß.
Das Problem ist nun, dass, wenn ich zur Schule möchte, im Stadtzentrum einmal Umsteigen muss. Dort hin, komme ich prima in 20 Minuten. Angekommen, setzte ich mich in den neuen Bus, der schon bereit steht, um mich zur schule zu fahren. Dieser wird allerdings erst losfahren, sobald alles Plätze belegt sind. Und da, morgens nur die wenigsten in das Armenviertel hinein wollen, sondern die meisten eher raus um irgeneiner Tätigkeit nachzugehen, dauert es also ca. eine Dreiviertelstunde bis sich dieser Bus überhaupt in Bewegung setzt. Da ich natürlich wenig Lust habe, jeden morgen mich um fünf Uhr auf den Weg zu machen, habe ich beschlossen mir ein Fahrrad zu kaufen.
Zuerst hatte ich da an ein Secondhandrad gedacht, da diese ja nunmal billiger sind. Also habe ich es in einer kleinen Fahrradreperaturhütte am Straßenrand, nicht weit entfent von meiner Schule versucht. Nachdem ich dort zuerst ein Fahrrad ohne Pedalen vorgestellt bekam, habe ich den Männern meine genaueren Wunschvorstellungen erläutert. Danach wurde jemand losgeschickt um ein anderes Rad zu holen. Da dies zwar immerhin eine Pedale besaß, jedoch auch einen gebrochenen Lenker, habe ich von der Idee mir ein Secondhandrad zu kaufen erstmal Abstand genommen. Für umgerechnet ca. 90 Euro werde ich mir jetzt wahrscheinlich ein Neues leisten.

Ansonsten wurde ich in eine weitere sehr typisch sambische Tätigkeiten eingeweiht: Das Abschlagen der Maiskörner von den getrockneten Maiskolben. Mais ist das mit Abstand meist angebaute Agrargut in Sambia, es wird ja auch mehrmals jeden Tag von der ganzen Nation gegessen. Meine Familie besitzt ein kleines Maisfeld. Die geernteten Güter liegen zum Trocknen hinten im Garten in einem Gebilde, das etwa so aussieht, wie die Trampoline, die oft in deutschen Gärten von Familien mit kleiner Kindern zu finden sind. Dieses Gebilde, sieht man hier wirklich häufig, da so ziemlich jede Schule und oder Arbeitsstelle seinen eigenen Garten samt Maisfeld besitzt. Zurück zum Maiskörnerabschlagen: Die getrockneten Kolben wurden in Säcke geschmissen, die daraufhin verschlossen wurden. Dann durfte ich mehrmals mit einer Art Baseballschläger mit aller Kraft auf diesen Sack einschlagen, bis die Körner sich von den Kolben gelöst haben. Der Sack wird nun auf einer Plane ausgeleert, die restlichen Kolben entfernt und der Mais in Säcken verstaut. Etwas mehr als einmal im Monat wird dann der 60-70 Kilosack zum Mühlen in die Stadt gefahren. Zurück bekommt man das Maismehl. Spätestens ab diesem Zeitpunkt steht dann fest, dass niemand Hunger schieben muss; für das Nshima des nächsten Monats ist ja dann vorgesorgt.
Als wir dies am Samstagnachmittag machten, wurden wir sowohl von Jugendlichen aus der Gemeinde sowie von einigen erheiternden Getränken unterstützt. Die Jugendlichen haben ihren Spaß und sammeln so gleichzeitig etwas Geld für die Gemeindekasse. Ganz schon clever finde ich.

Auch der sambischen Tierwelt durfte ich schonmal Hallo sagen.
Auf einem Bauernhof, der von einem Schweizer Ehepaar bewirtschaftet wird, wurden Teresa und mir, das Basiswissen für eine erfolgreiche Farm erläutert. Der Bauernhof beinhaltete riesige Bananen und Papayaplantagen, eine Tierabteilung, Maisfelder und Gemüsebeete. Mit dem Umsatz wird eine umliegende Mission unterstützt. Da 80 Prozent der Sambier von der Landwirtschaft leben, war es interessant zu hören, mit welchen Problemen die Farmer auch aus europäischer Sicht konfrontiert sind. So ist es zum Beispiel ein Problem, dass die wenigen großen Supermärkte in den Städten ihre Waren meist aus entfernten Regionen beziehen, und die regionalen Bauern nur wenige Möglichkeiten haben, ihre Güter in ausreichender Menge an den Mann zu bringen.
Nach diesem Besuch ging es auf jedenfall ab zu einer Art riesigen Tierpark, wo man mit dem Auto durchfährt und immer wieder anhält um Giraffen, Zebras oder Impalas zu sehen. Nebenbei waren wir noch in einem Schlangenpark, wo uns verschiedene Krokodile und Schlangen vor die Nase gehalten wurden. Nicht weit von dort, gab es einen wunderschön angelegten See zum Entspannen. Dort gab es auch Gemächer zum Übernachten. Die touristische Seite Sambias war echt schön anzusehen. Viele weiße Gesichter waren dort zu sehen. Auf dem Weg dorthin waren jedoch wieder einige ärmliche Dörfer zu begutachten. Ganz schon verwirrend so wunderschöne und unschöne Plätze direkt hintereinander zu sehen.

Mit neuen Eindrücken und dem Versprechen in naher Zukunft wieder zu schreiben sage ich nun Lebt wohl

Martin


7 Kommentare:

  1. Hallo Martin,
    schön, dass es dir wieder besser geht.
    Deine Berichte sind echt klasse und sehr interessant. Ich habe bisher alle gelesen und fiebere immer dem nächsten entgegen. Freu mich schon auf deinen nächsten Bericht und die tollen Bilder. Pass auf dich auf. Viele liebe Grüße aus Flerschem
    Melli

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  2. Hallo Martin,
    auch ich bin eifrige Leserin deiner Blogs und bin ebenfalls froh, dass es dir wieder besser geht. Wünsche dir noch eine schöne und erfahrungsreiche Zeit in Sambia. Übrigens: 2 Giraffen habe ich auf dem Foto entdeckt!!
    Gruß Elisabeth

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  3. Hallo Martin, da bleibt mir ja nur zu sagen, ich schließe mich meinen Vorrednern an! Ich habe drei Giraffen entdeckt. Wieviele sind's denn nu?

    Liebe Grüße

    Chris

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  4. Hi Martin,

    Malaria hört sich echt nicht gut an, schockt einen schon etwas, das zu lesen, besonders, wenn man sich eigentlich nicht damit auskennt, aber eine üble Vorstellung im Kopf hat.

    Zum Busfahren: Das liest sich echt lustig (wenn man es nicht selbst machen muss ;-) )
    Vielleicht nutzt Du ja die Gelegenheit, sparst das Geld fürs Fahrrad und joggst die Kilometer zu Schule und zurück, wie man es aus Kenia hört. Dort sind alle so fit, dass sie gar nicht wissen, wen sie zu Olympia schicken sollen... Ich fände es schön, einen Olympiasieger in der Familie zu haben, der uns dann mit seinen Milionen an schöne Wettkampforte einläd... 2016 wäre in Brasilien!
    Liebe Grüße, weiter eine gute Zeit und Spaß in der Schule

    Gregor

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  5. schön spannend, was du da so schreibst. ich freue mich, dass es dir gut geht. viel erfolg dann in deiner ersten arbeitszeit!!!
    viele liebe grüße aus sarajevo.

    theresa =)

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  6. Dankeschön für die vielen lieben Kommentare!
    Das macht echt Spaß zu schreiben, wenn so eine Rückmeldung kommt und ich auch weiß, dass es euch gut geht.
    Ich bin eindeutig wieder top fit und wünsche Euch ebenfalls Gesundheit für die kommende Zeit. Ihr müsst euch ja vor Schnupfen und ähnlichem in Acht nehmen, womit ich wahrlich keine Probleme haben sollte.
    Drei Giraffen müssten es sein, oder? Aber sich als Bäume tarnen können sie ganz schön gut.

    Also wenn die Kenianer das echt machen, haben sie mein ganzen Respekt. Mittags nach der Schule ist es so heiß, dass ich nach fünf Minuten Fahhrad fahren schon einen nassen Rücken habe. Da will man sich am liebsten garnicht bewegen. Also wer bei dem Wetter joggt, muss echt nen guten Grund haben. Und danach eine Dusche.
    Also Gregor, mit mir und Olympia wird das glaub ich nichts. Aber es gibt ja noch den Ben, hoffentlich enttäuscht er uns nicht.

    Liebe Grüße
    Martin

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  7. Hallo Martin,
    Oma Vroni und wir haben gerade deinen letzten Blogeintrag und die "neuen" Kommentare gelesen. (In Frankreich konnten wir immer nur kurz ins Internet und haben somit die Kommentare erst jetzt gelesen.) Offensichtlich hat dich noch keiner informiert, dass nicht die alleinige Last der Olympiateilnahme auf Ben lastet, sondern dass er im April 2013 Verstärkung erhält. Also die Chancen auf einen Olympiateilnehmer aus der Großfamilie steigt. Oma Vroni hofft, dass dein Päckchen mit dem Inhalt den Kevin nicht kommentieren möchte, bei dir ankommt. Sie hat es an ein sambesiches Mädchen im Konzert in Sindlingen übergeben. Das Mädchen wollte es an einen Verantwortlichen weitergeben. Am Mittwoch sind die letzten Sambesier zurückgeflogen. Beide Omas waren sehr begeistert von dem Konzert. Leider gab es keine CD aber es sollen zwei Lieder und Bilder ins Internet gestellt werden. Übrigens, auf dem Bild, auf dem du das Tanzen lernst, habe ich dich erst nicht erkannt, da dein Haar so kurz ist. Nach so vielen Jahren bin ich bei meinem Sohn Martin keine kurzen Haar mehr gewöhnt. Aber die Vergrößerung des Bildes hat dich eindeutig identifiziert. Auch wir werden gespannt auf deinen nächsten Beitrag warten. Oma Vroni, Mama, Papa

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